Reizdarmsyndrom (RDS)

Das Reizdarmsyndrom ist die häufigste gastrointestinale Diagnose weltweit, an der bis zu 30% der Bevölkerung1  leiden.

Jahrzehntelang haben Ärzte und Ernährungsberater ihren Reizdarm-Patienten wenig Hilfe anbieten können. Seit ein paar Jahren gibt es nun endlich eine wirkungsvolle Behandlungsmethode: das FODMAP-Konzept! Es wird zunehmend als primäre Behandlungsmethode beim RDS anerkannt, da es zu einer wesentlichen Verringerung der Symptome führt.

In Großbritannien ist das FODMAP-Konzept bereits in die Empfehlungen zur Therapie des Reizdarmsyndroms eingeflossen. Es wird auch bei uns zunehmend häufiger in der klinischen Praxis eingesetzt.

Das FODMAP-Konzept

Was ist das FODMAP-Konzept?

Es ist die aktuell wirkungsvollste Behandlungsmethode beim RDS und klinisch nachgewiesen, dass es 75% der Betroffenen signifikant hilft. Und das, ohne Medikamente oder besondere Produkte kaufen zu müssen, sondern lediglich, indem man seinen Speiseplan umstellt und ein paar Gewohnheiten ändert!

 

Die Grundannahme des Konzepts ist, dass RDS-Symptome hauptsächlich durch bestimmte kurzkettige und fermentierbare Kohlenhydrate ausgelöst werden – die sogenannten FODMAPs. Einige dieser Kohlenhydrate können von manchen Menschen verdaut werden, von vielen jedoch nicht, u.a. die Laktose in Milch und die Zuckerart Fruktose.

FODMAP ist ein Akronym aus:

fermentierbare
Oligosaccharide
Disaccharide
Monosaccharide
and (und)

Polyole

Dies sind Kohlenhydrate, die bei vielen Menschen für Verdauungsprobleme sorgen, weil sie bei ihnen nicht bzw. kaum vom Dünndarm aufgenommen und stattdessen von den Bakterien im Dickdarm fermentiert werden. Körperliche Beschwerden sind z.B. Blähungen, Bauchdehnung (wie hochschwanger), Durchfall oder Verstopfung bzw. beides im Wechsel.


Wenn sie nicht verdaut werden, werden diese Kohlenhydrate im Dünndarm nicht resorbiert. Stattdessen gelangen sie zum Dickdarm, wo sie durch Bakterien fermentiert werden, was zur Produktion von Gasen führt. Die Bakterien können auch Wasser in den Darm ziehen, wodurch ein unangenehmes Dehnungsgefühl entsteht. Dieses Video erklärt es anschaulich: Video ansehen (YouTube, 3 Min.)

 

Für die meisten Menschen ist dies kein Problem oder zumindest spüren sie es nur zu einem geringen Grad. Aber für Menschen mit RDS sind diese Effekte nicht nur spürbar, sondern auch oft sehr schmerzhaft und mit Begleiterscheinungen verbunden wie aufgetriebenem Bauch, Blähungen, plötzlicher Müdigkeit, Durchfall und/oder Verstopfung, Erschöpfung etc.

Das FODMAP-Konzept hat weltweit schon unzähligen Reizdarm-Patienten zu Beschwerdefreiheit verholfen, weil sie endlich ausfindig machen konnten, welche Lebensmittel ihnen Probleme bereiten und sie diese nun gezielt vermeiden.


Sie können wieder essen, ohne dabei zu befürchten, dass sie einen dicken Blähbauch oder quälende Schmerzen bekommen, unerträglich müde werden, nur noch daran denken, wo die nächstgelegene Toilette ist oder dass sie die nächste Nacht kaum schlafen werden…

Aber so bahnbrechend dieses Konzept ist, so knifflig ist es auch in der Umsetzung! Mit professioneller Unterstützung2 und verlässlichen Ressourcen sind die Chancen am größten, dass auch Sie mit dem FODMAP-Konzept langfristig symptomfrei werden.


Das FODMAP-Konzept verspricht keine Heilung des RDS, aber es ist die derzeit effektivste Behandlung und funktioniert kurzfristig; die meisten Menschen fühlen sich schon innerhalb von ein paar Tagen besser. Ich bin selbst RDS-Patientin und bestätige aus eigener Erfahrung, dass das FODMAP-Konzept zu Beschwerdefreiheit und Wohlbefinden führen kann, wenn es richtig umgesetzt und konsequent eingehalten wird.

Mein Interview zum Thema FODMAP

können Sie hier lesen!


Wie hilft das FODMAP-Konzept?

Wenn Sie unter dem RDS leiden, kann Ihnen das FODMAP-Konzept dabei helfen herauszufinden, welche dieser fermentierbaren Kohlenhydrate Sie beschwerdefrei essen können und welche Sie meiden sollten.

Es gibt drei Phasen:

In der Eliminierungsphase wird zunächst für 2-4 Wochen die Zufuhr FODMAP-reicher Lebensmittel begrenzt, um zu sehen, ob sich dadurch die RDS-Symptome deutlich verbessern.
Wenn das so ist, ... 
 
... dann besteht der nächste Schritt darin herauszubekommen, welche Art der FODMAPs verantwortlich für die RDS-Symptome sind.
Dieses wird in der Wiedereinführungsphase durch schrittweises und kontrolliertes Probieren von FODMAP-reichen Lebensmitteln ermittelt.

Nachdem man in der Wiedereinführungsphase die persönlichen Übeltäter ausfindig gemacht hat, werden diese FODMAP-Arten nun konsequent über einen längeren Zeitraum gemieden, damit man symptomfrei bleibt. Das ist der Übergang zur Langzeitphase. Die Ernährung soll ausgewogen und gesund sein und dabei keine bzw. so wenig wie möglich Beschwerden verursachen.

Dass Essen und Kochen auch Genuss bedeutet, wenn man sich FODMAP-arm ernährt, zeigen Ihnen die Rezepte in meinem eBook, das Sie hier kostenlos herunterladen können!

 


Das Ziel

Nach einem halben bis einem Jahr können etliche Patienten weitere FODMAP-reiche Lebensmittel tolerieren und sukzessive ihren Speiseplan ausbauen. Es lohnt sich, individuell problematische Lebensmittel nach längeren Zwischenräumen immer wieder zu testen!

 

Symptomfrei zu sein bedeutet nicht nur, weniger Beschwerden zu haben, sondern vor allem einen deutlichen Zugewinn an Energie und Lebensqualität! Sie werden entspannter sein und Ihren Fokus nun endlich wieder auf angenehmere Themen lenken können.

Mit ein wenig Übung werden Sie bald feststellen, dass es viele Möglichkeiten gibt, sich trotz FODMAP-Einschränkungen mit Genuss zu ernähren – immerhin gibt es deutlich mehr Lebensmittel mit niedrigem FODMAP-Gehalt, als mit hohem!

Und last but not least: Auch Ihr Essverhalten und Lebensstil haben Einfluss darauf, ob Sie langfristig symptomfrei werden. Ein glückliches Leben mit RDS erfordert in jedem Fall einen ganzheitlichen Ansatz, denn es geht nicht allein um die Lebensmittelauswahl: In puncto Darmgesundheit ist der Einfluss von Mahlzeitenabstand, Stress, Bewegung, Lebensstil und persönlicher Grundhaltung nicht zu unterschätzen.

Worin sind FODMAPs enthalten?

Kritische Mengen FODMAPs sind u.a. enthalten in Milch, Trockenfrüchten, Weizen- und Roggenprodukten sowie in etlichen Gemüsen und Früchten, wie zum Beispiel in Zwiebeln, Knoblauch, Äpfeln, Birnen, Wassermelone, Datteln, Pilzen, Spargel und Hülsenfrüchten. Diese werden in der FODMAP-reduzierten Kost gemieden.

FODMAPs sind aber auch in vielen Fertigprodukten:

  • Die meisten Convenience-Produkte (Fertiggerichte und verarbeitete Lebensmittel wie Saucen/Ketchups, Backmischungen, Snack-Riegel etc.) enthalten FODMAPs, z.B. Zwiebeln, Knoblauch, Agavendicksaft, Honig, Trockenfrüchte...
  • In der Außerhaus-Verpflegung (Kantine, Mensa, Restaurant etc.) ist oft nicht bekannt, welche Gewürze im Einzelnen in den Speisen enthalten sind. Auch hier werden häufig Zutaten wie Zwiebeln und Knoblauch eingesetzt – unter dem Sammelbegriff „Gewürze“ zusammengefasst, werden sie so nicht erkannt oder vermutet.
  • Sogar unverdächtige „Mono“-Produkte können mehr FODMAPs enthalten als angenommen, beispielsweise getrocknete Cranberries: sie sind meist mit FODMAP-reichem Apfel- oder Agavendicksaft gesüßt, was lediglich in der kleingedruckten Zutatenliste erwähnt wird, die man bei Mono-Produkten nicht unbedingt prüft...
  • Nicht alle laktose- und glutenfreien Produkte sind zugleich FODMAP-arm.

So führen versteckte Fehlerquellen vor allem zu Beginn der Diät zu Misserfolgen in der Anwendung des FODMAP-Konzepts.

Das kann sehr entmutigend sein und ist nicht selten der Grund dafür, dass jemand vorzeitig aufgibt, dem dieses Konzept ansonsten geholfen hätte. Deshalb: Lassen Sie sich von einer FODMAP-erfahrenen Ernährungsfachkraft begleiten – sie hilft Ihnen, die kniffligen Details dieses Konzepts zu berücksichtigen, die für einen Erfolg unabdingbar sind.

Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen diese Ernährungsumstellung!

Da der FODMAP-Gehalt noch nicht von allen Lebensmitteln bekannt ist und sich das Konzept seit 2005 kontinuierlich weiterentwickelt, gibt es auch gelegentlich Änderungen in den Empfehlungen – daher können FODMAP-Listen im Internet rasch veraltet sein! Die zuverlässigsten Listen gibt es von FODMAP-geschulten Ernährungsfachleuten oder als App direkt von der Uni, die das Konzept entwickelt hat: die Monash University in Australien. Hier können Sie sie herunterladen: Monash FODMAP-App (die Website ist zwar in Englisch, aber die App gibt es auch in Deutsch)

Kann das FODMAP-Konzept auch mir helfen?

Dies sollten wir in einem persönlichen Gespräch klären. Wenn Sie von den folgenden Fragen mindestens eine mit JA beantworten können, ist die Chance recht groß, dass Ihnen das FODMAP-Konzept Besserung bringen kann:

  • Leiden Sie unter Verdauungssymptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall und/oder Verstopfung?
  • Haben Sie die Diagnose Reizdarmsyndrom erhalten?
  • Je mehr Sie sich an die gut gemeinte Empfehlung halten, möglichst viel Obst, Gemüse und Ballststoffe zu verzehren, desto schlechter geht es Ihnen?
  • Bekommen Sie Beschwerden nach dem Verzehr von z.B. Smoothies, Milch, Äpfeln, Artischocken, Wassermelone, Zwiebeln, Knoblauch, Rote Bete, Spargel oder Getreidekaffee?
  • Gibt es Lebensmittel, die Sie im Tagesverlauf unterschiedlich gut vertragen, z.B. morgens besser als gegen Abend?
  • Haben Sie die eine oder andere Lebensmittelunverträglichkeit, die Sie einfach nicht in den Griff bekommen?
  FODMAPs sind...

     ...nicht generell schlecht für Sie!

  •  Viele FODMAPs haben präbiotische Effekte, die sich günstig auf die Darmgesundheit auswirken.
  •  Wenn keine ausreichend breite Palette an geeigneten Lebensmitteln verzehrt wird, kann die Nährstoffzufuhr beeinträchtigt sein.

Insbesondere die Eliminationsstufe soll so kurz wie möglich gehalten werden, denn der Einfluss dieser Weglass-Phase auf das Darm-Mikrobiom ist nicht zu unterschätzen. Daher sollte man das FODMAP-Konzept nicht ohne medizinische Indikation und professionelle Beratung2 umsetzen.


Je mehr FODMAPs Sie schließlich symptomfrei wieder in Ihren Speiseplan einführen, desto vielseitiger können Sie Ihre Ernährung gestalten und desto ausgewogener ist Ihre Versorgung mit Nähr- und Ballaststoffen.


Und sollten Sie zu denjenigen gehören, die während der FODMAP-Phase keine Beschwerdefreiheit erreichen, kann es sein, dass zunächst andere Ursachen beseitigt werden müssen, bevor Sie mit dem FODMAP-Konzept überhaupt Erfolg haben können. Denn die häufigste Ursache des RDS ist eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO).

Sie haben Fragen?


Rufen Sie mich an unter 0176 52020 181 oder senden Sie mir eine Nachricht; ich rufe gern zurück!

Bevor Sie eine FODMAP-reduzierte Ernährung, SIBO-Diät oder andere Therapie in Betracht ziehen, müssen Sie mögliche organische Erkrankungen durch einen Facharzt abklären lassen! Diese Website dient nicht der Eigendiagose und/oder als Anleitung zur Eigentherapie!

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1 Irritable bowel syndrome and small intestinal bacterial overgrowth: Meaningful association or unnecessary hype

  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3949258/

2 How to institute the low-FODMAP diet

  https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28244669